„Die Großen haben versucht einen Blogpost zu schreiben, aber dann bin ich sofort wieder rausgefallen, so wie die letzten drei Mal auch schon.“
„Hm, vielleicht solltest du mal einen Post schreiben.“
Kollektives „NEIN“ von Innen, heh. Egal. Mir hilft ja eh gerade jemand beim Schreiben.

Ich gucke gerade Spiel des Lebens bei Gronkh. Würde lieber Horror gucken, vielleicht Evil Within nochmal. Das mochte ich echt gerne.
Ich werde daran erinnert, dass ich sechs bin, und danach Albträume hatte.
Aber ich MOCHTE das Spiel halt. Hmpf.

Wir haben im Moment nicht so oft Therapie wie zum Beispiel vor einem Jahr. Das ist auch voll okay. In der Therapie können die Großen eh nicht so 100% über das reden, was im Moment schwierig ist. Aber sie können generell voll offen reden, nur im Moment halt nicht. Immer wenn sie versuchen, über die Flashbacks zu reden, fangen wir an zu dissoziieren und können unserer Therapeutin nicht wirklich mehr erzählen, weil der Kopf dann sofort dicht macht.
Aber hey, wir kriegen bald wahrscheinlich draußen Therapie! Das wird cool.

Ich hab ja so Einiges mitbekommen, und ich finds ziemlich kacke, dass unser Körper so heftig darauf reagiert im Moment. Wir wollen ja nur versuchen, unserer Therapeutin zu zeigen, was so in unserem Leben los ist und womit wir mehr kämpfen als sonst. Es ist aber auch schwierig, das in Worte zu packen. Weil es was mit diesem ganzen Durcheinander und dem abstrakten Trauma zu tun hat. Also ist es generell schon schwierig genug, die Flashbacks zu deuten. Dann darüber zu sprechen strengt einfach zu sehr an im Moment. Denke ich mal. Anders kann ich mir das nicht erklären. Unsere Therapeutin weiß nämlich Dinge, die sonst niemand weiß, nichtmal Herr Hase (glaub ich, ups).

Jedenfalls haben wir uns heute krank gemeldet. Weil gestern ein sehr… emotional aufgewühltes Gespräch mit Herr Hase war (ok wir haben uns gestritten und JA ich war da auch beteiligt ich hab auch was zu sagen) und dann haben wir fast die ganze Nacht nicht geschlafen und haben Rückenschmerzen bekommen und Migräne.
Ja, war nicht so cool.

Eigentlich, eigentlich, wollten wir hier nicht mehr so viel übers Trauma schreiben. Es macht müde, wisst ihr. Uns zumindest macht es müde. Weil, es gibt so viel anderes in unserem Leben als nur das Trauma. Und unsere Vergangenheit bestimmt auch nicht mehr jeden Schritt den wir machen. Aber wir haben noch nicht wirklich rausgefunden, was wir hier schreiben möchten. Und gerade wollte offensichtlich ich was loswerden, denn sonst wär ich ja nicht immer rausgeploppt, sobald wir das Editor-Fenster offen haben.
Für uns ist es eigentlich einfach nicht mehr so wichtig, was damals abging. Es ist mehr wichtig, was jetzt im Moment so passiert, und wie viele Schritte wir schon nach vorn gemacht haben. Außerdem konnten wir noch nie so wirklich offen darüber sprechen, was genau eigentlich passiert ist.

Muss mal pinkeln. Schönen Abend euch noch.
O.

ich habe dich geliebt / tausend franken lang

Inhalt: Sex-Positivity, Beziehungen, Sexualität und meine Erfahrungen

Dieser Post bezieht sich NICHT auf erzwungene sexuelle Beziehungen, sondern lediglich meine Sicht auf Sex und die verschiedenen Arten von Beziehungen drum herum – deshalb habe ich mal nur den Inhalt hingeschrieben, aber kein Triggerwarning gesetzt. So kann sich immernoch jeder selbst entscheiden, ob man sich mit dem Thema wohlfühlt oder nicht.

Ich hatte meine erste – freiwillige – sexuelle Erfahrung mit 15. Diese Beziehung entwickelte sich recht schnell in eine zaghafte, vorsichtige BDSM Beziehung, in der ich den dominanten Part übernahm. Und es gefiel mir. Bis dahin hatte ich nie viel mit BDSM zu tun, und schon gar nicht mit Sex. Ich war immer sehr zurückgezogen und privat, und hatte mir auch nicht unbedingt vorgestellt, meine Fantasien mit irgendjemandem zusammen auszuleben. Dennoch war es eine wirklich schöne Erfahrung, auch wenn wir beide wirklich unerfahren waren. Learning by doing.
Es war eine befreiende Erfahrung. Zu wissen, dass meine Fantasien und Kinks normal sind, und dass ich sie eben doch mit jemandem teilen kann ohne verurteilt zu werden, war sehr wichtig für meine Entwicklung. Die Beziehung hielt nicht lang, und war auch bei Weitem nicht so vertieft wie einige andere sexuelle Erfahrungen, die ich gemacht habe. Aber es war mein erster Schritt in Richtung Sex-Positivity.

Sex ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Selbst wenn es Phasen gibt, in denen mein Mann und ich eher selten Sex haben, ist mir wichtig, dass wir uns beide sicher in unseren sexuellen Wünschen fühlen und wissen, dass wir sie äußern können. Wir sind offen dafür, Neues auszuprobieren und – was mir wichtig ist, auch wenn ich es im Moment nicht nutze – offen für polygame Beziehungen.
Mein Mann bleibt mein Mann. Er bleibt auch die Liebe meines Lebens, mal ganz kitschig gesagt. Allerdings gibt es Kinks, die ich habe, die er beispielsweise nicht hat. Oder mit denen er sich gar unwohl fühlt. Und ich zwinge ihn dann keinesfalls, sich darauf einzulassen. Anders herum genauso. Dementsprechend ist der Gedanke einer polygamen Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen und auf Liebe aufgebaut. Denn wir beide wollen nur das Beste für den Anderen – und finden es auch moralisch nicht verwerflich, dafür noch jemanden „zur Hilfe zu nehmen“. Davon weiß unser Umfeld mal mehr, mal weniger. Meine Mutter weiß beispielsweise, dass es für uns okay ist, wenn der andere potentiell mehrere Partner hat. Eine neue Welt ist das für sie dennoch. Bei Freunden kommt das Thema eher selten auf, denn ich erzähle halt auch nicht immer, was gerade bei mir im Schlafzimmer abgeht. Und gewisse Kinks behalte ich auch heute einfach noch lieber für mich.
Mit „jemand anderen zur Hilfe nehmen“ schließe ich im Übrigen auch Sexarbeiter:innen ein. Es gibt viele Sexarbeiter:innen die sich auf bestimmte Kinks spezifiziert haben und damit ihr Geld machen. Auch sie verdienen Schutz und Respekt, sowohl vom Staat als auch vom Otto Normalverbraucher.
Vor einiger Zeit gab es eine Phase in meinem Leben, in dem ich fast jede Nacht einen neuen One Night Stand hatte. Teils, wegen Unzufriedenheit. Teils, weil ich mich einfach ausprobieren und meine Kinks mit verschiedenen Menschen ausleben wollte. Auch hier gibt es wieder ein Stigma, das mich immens stört – ich bin deswegen keine Hure. Selbst, wenn ich Geld dafür nähme, bin ich keine Hure. Es war zu dem Zeitpunkt das, was ich wollte, und worin ich mich sicher fühlte – es geht niemanden sonst an, was ich mit meiner Zeit mache, wenn ich sie mit anderen Menschen einvernehmlich teile. Ich werde im Laufe dieses Blogs nochmal tiefer darauf eingehen, so wie verschiedene Themen rund um Sexarbeit, Kinks, und Sex Positivity in general.

Trotzdem bin ich ein sehr offener Mensch. Wenn Leute mich fragen, antworte ich für gewöhnlich, ohne vorher groß zu zögern – natürlich nur, wenn vorher ein sicherer Rahmen gesetzt wurde. Warum genau, kann ich gar nicht wirklich sagen. anfangs war ich extrem zurückgezogen und schüchtern, aber mit der Zeit bin ich sicherer in meiner Sexualität und meinen Kinks geworden, und somit auch sicherer, darüber zu sprechen. Es ist eine Art Befreiung von Stereotypen und Vorurteilen.
Nein, nur weil ich BDSM mag, heißt das nicht, dass ich meinen Partner schlage, wenn er den Spül nicht macht. Und nein, das kommt auch nicht dadurch, dass ich Trauma erlebt habe, sondern hat sich im Rahmen meiner freiwilligen sexuellen Erfahrungen entwickelt und herauskristallisiert. Ich bin Sadist, das bedeutet nicht, ich hasse meinen Mann und will ihm einfach Schmerzen zufügen. Ich mag es, ihn zu ärgern. Warten zu lassen, zu Teasen oder auch zwischendurch ihm Schmerzen zuzufügen, wenn er sein Okay dazu gibt. Denn, nur mal so, Sadist und Masochist gehen gut miteinander einher.
Das alles baut auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen auf. Harte Grenzen sind beispielsweise, wenn ich merke, dass mein Sexualpartner eher in autodestruktives Verhalten rutscht, zu bockig wird und ich dadurch nicht mehr gut das Spiel lenken kann, oder auch einfach unsicher in dem ist, was gerade passiert. Dann breche ich für gewöhnlich sofort ab, es seidenn es wurde vorher etwas anderes abgemacht. Denn – vorher wird als Standart geredet, um zu wissen, wo die Grenzen des Anderen liegen und was man mag. Mit meinem Mann habe ich das mittlerweile so weit ausgearbeitet, dass ich nur noch frage, wenn wir etwas komplett Neues ausprobieren.

Ich könnte noch hundertfach andere Themen in diesem einen Post ansprechen, werde dafür aber einfach verschiedene Tags verwenden, da ich wahrscheinlich anfange, hier mehr darüber zu schreiben. Sex positivity ist mir wichtig. Niemand ist ein schlechter Mensch, weil er BDSM mag, oder Kinks in Richtung Medizin, Petplay oder Anderes hat. Es ist wichtig, dass im Kopf behalten wird, dass das alles Vorlieben sind, die – wenn man sie richtig ausführt – vollkommen safe und einvernehmlich sind.
Jeder darf das, egal ob traumatisiert oder nicht.
Im Laufe des Blogs werde ich immer mal wieder abwechseln zwischen solchen Posts hier und Trauma-Posts oder leichterer Kost. Ich warne nur vor, damit jeder hier Bescheid weiß, worauf er sich einlässt. Allerdings werde ich ab jetzt auch immer eine Inhaltsangabe der Themen oben angeben, in der Hoffnung, dass es so besser die eigentliche Zielgruppe trifft. Passt auf euch auf.

Lisa / ich will dein Sushi garnicht seh’n

Wenn du ausnahmsweise mal wieder so high bist, dass du einen Trip gleich in die Mitte deiner Seele unternimmst und erkennst, was dich in letzter Zeit eigentlich so richtig plagt.

Seit ich das alles irgendwo nieder geschrieben habe, fühle ich mich wieder ein wenig… klarer? Geordneter? Es ist alles noch ziemlich durcheinander, weil ich heute nicht dazu kam, es zu überarbeiten. Aber ich habe eine Beschreibung für das Gefühl, das mich jeden einzelnen Tag verfolgt, das mich dazu gebracht hat, meine Social Media Accounts fürst erste zu deinstallieren und Abstand zu nehmen. Einen Schritt zurück. Durchatmen.

Die konstante Flut an Nachrichten, die einfach nicht ab- sondern nur zunimmt im Moment, hat mich vollkommen verrückt gemacht. So sehr, dass ich nicht mal mehr wirklich seriöse Nachrichten lesen konnte, ohne Panikattacken zu haben, weil mein Kopf einfach so gefüllt war von dem ganzen unwichtigen Scheiß, den ich mir auf irgendwelchen Plattformen reinknalle.
Für mich ist es immer eine Art der Betäubung gegeben, die aber immer mehr zum Zwang wurde, und irgendwann so stark explodiert ist, dass ich nichts anderes mehr sehen konnte. Ich konnte mich nicht mal mehr richtig an das erinnern, was ich wirklich liebe zu tun. Nicht diese tausend To Do Listen, Wünsche und neue Hobbies die man online sieht und sich vornimmt mal auszuprobieren. Sondern die Wurzel von mir selbst, das, was mich wirklich glücklich macht.

Ich habe schon lange nicht mehr wirklich eine Verbindung zu dieser Person gehabt, die ich mal war. Ich konnte immer gut maskieren, und einfach das sein, was gerade gebraucht wird. Und irgendwann war es schwierig, zu mir zurück zu finden. Besonders, wenn man auf dem Weg vergessen hat, was einem dabei hilft.

Was mich so stört ist, dass ich dieses… allumfassende Hintergrundgeräusch, dieses Rauschen, von Social Media einfach nicht ausblenden kann. Es verfolgt mich überall hin.
Ich glaube ich bin fürs Erste wirklich zufrieden, mit dem was ich ohne diese Platformen habe. Ich bin zufrieden damit, mit Freunden online zu zocken, einen Blog zu haben und Youtube Videos zu gucken.

Aber das reicht dann auch einfach erstmal.
Es reicht, um weniger Geräusche um mich rum zu haben, und MICH wiederzufinden. Erst dann kann ich dieses ICH auf Social Media halt auch guten Gewissens wieder posten. Und erst dann kann ich lernen, mich von dem ganzen anderen Scheiß abzuschirmen.

Hmm. Hmm Hmm Hmm.

Mittlerweile ist es safe to say, dass mir alles wieder über den Kopf wächst. Ich muss lernen, wieder zuzulassen, dass mir andere Anteile aus dem System im Alltag helfen. Es war gut. Es hat funktioniert. Warum verschließe ich mich wieder so vor der Möglichkeit?

Jeden Morgen wenn ich zur Arbeit fahre, sehe ich Menschen, die ihre Maske nicht richtig tragen.
Jeden Abend darf ich mit irgendeinem Menschen diskutieren, selbst in meiner engen Freundesgruppe, warum es wichtig ist, dass die Auflagen gerade sind, wie sie sind.

Das erinnert mich zu sehr an;
Cybermobbing damals, in der Realschule
Die niemals endenden Diskussionen, dass nonbinary Menschen wie ich existieren und ein Recht haben zu Leben und von Gott geliebt werden.
Die Kommentare unter LGBT Posts, die mir sagen, dass ich abartig und krank und eine Schw*chtel bin.
Dieses ewige Anzweifeln meiner Diagnosen von fremden Menschen.
Das Stalking vom Ex.
Blogger-ES Community damals, die sich gegenseitig in den Tod getrieben haben.
Spezielle Blogger, die mir gedroht haben oder mir jedes Wort im Mund herum gedreht haben.
Absichtliches Triggern meiner Flashbacks.
Hinzu kommt meine Zwangsstörung, und die Zwangsgedanken, die ich teils nur durch sehr intensives, regelmäßiges, viel zu häufiges Nachrichtenlesen, Ablenken durch Internet, Menschen checken und sehen ob alle noch leben, ob ich was falsch gemacht habe, ob-

Ich bin so müde. Ich bin es leid. Sars-COV macht es nur noch schlimmer, denn mein gesamtes System it on edge, was das Weltgeschehen angeht.

Ich will nichts mehr mit der Welt teilen. Ich will nichts mehr von der Welt lesen.
Nicht so.

always a thing to wonder / the way we come to be

Ich schwächel im Moment ein bisschen, gesundheitlich. Schon wieder seit längerem migräne-artige Kopfschmerzen, aber nie heftig genug für eine ausgewachsene Migräne. Meine Nase ist auch seit vorgestern zu, allerdings waren die Feiertage wirklich unglaublich erschöpfend. Deshalb ist es auf meinem Blog hier etwas ruhiger, dabei hab ich recht viel, über das ich schreiben möchte.

Morgen geh ich wieder auf die Arbeit, nach 2 Wochen Urlaub. Ich freu mich sehr drauf. In erster Linie, weil ich dann wieder mehr zu tun hab, als in meiner Wohnung zu sitzen, und soziale Kontakte einzuschränken. Es wird schön sein, mal wieder etwas anderes als mein Wohnzimmer oder Schlafzimmer zu sehen. Ich bin aufgeregt, weil ich für’s Büro eingearbeitet werden soll. Hört sich bescheuert an, aber ich hab noch nie so richtig in einem Büro gearbeitet, und bin mir unsicher, ob ich das wirklich gut hinkriege. Aber meine Chefin ist überzeugt, und ich vertraue ihrem Urteil da. Habe gelernt, dass ich meinem eigenen Urteil da eben nicht trauen darf, weil ich sowieso durchgehend zu viel von mir erwarte bzw. mir zu wenig vertraue. Ich arbeite dran.

Neujahrsvorsätze habe ich mir keine gemacht. Und zum ersten Mal wache ich im Januar auf und habe nicht sofort eine Panikattacke, weil ich das Gefühl habe, ich muss jeden Tag etwas besonderes erreichen. Das ist sehr angenehm, muss ich schon sagen. Und entgegen der Jahre, in denen ich mir ganze Listen von Vorsätzen gemacht habe, funktioniert das Aktivwerden ohne Druck deutlich besser. Ailen freut sich über längere Spaziergänge. Kann jetzt natürlich hohe Töne spucken, sind nur drei Tage bis jetzt, aber es verändert sich auch etwas in mir, und die Art, wie ich mit einem neuen Jahr umgehe, verschiebt sich.
Ästhetisch gesehen liebe ich das neue Jahr. Es fühlt sich so sauber an, Januar hat so schöne Farben in meinem Kopf und ich liebe es, wenn in meinem Notizbuch irgendwo 01.01. steht. Durch Markus wurde Neujahr immer schwieriger, an je mehr ich mich erinnerte, aber ich kann dennoch die Ästhetik wieder schätzen. Es war nur damals auch immer mit zu hohen Erwartungen angereichert, die ich mir selbst gesetzt habe. Dieses Jahr habe ich gar keine Erwartungen gesetzt. Viel mehr möchte ich einfach das vertiefen, was ich 2020 gelernt habe, und meinen Körper wieder bestmöglich versorgen.

Ich glaube, dass sich einfach grundlegend etwas an meiner Lebenseinstellung geändert hat. Wer mit sich selbst vereinbaren kann, einfach mal zwei Probe-Semester zu machen, bevor man sein Punktekonto für die Bachelorprüfung freischalten lässt, muss sich an Neujahr erst recht nicht stressen. Wahrscheinlich wird sich meine Lebenseinstellung wieder irgendwann mal ändern, so ist das nunmal mit den Jahren. Aber bis dahin genieße ich einfach die Ruhe in mir, die mir sagt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und eines Tages haben wir ein kleines Haus, mit Hühnern und Ziegen.

i’m already under your skin / cause i’m the big bad wolf

Triggerwarnung – Erwähnung von, und Schreiben über Zwangsprostitution, Missbrauch, Stalking,

Wenn Silvester für mich ein Mensch wär, wäre er wahrscheinlich der cholerische Mathelehrer der jeden dumm nennt, der Bruchrechnung nicht auf Anhieb versteht und dann die Türen knallt und im Lehrerzimmer über dich lästert. Ich finde Silvester seit meiner Erwachsenen-Zeit generell scheiße. Das liegt aber nicht an dem Tag selbst.

Eigentlich hab ich Silvester immer geliebt. Wirklich. Ich bin morgens schon aufgeregt aufgewacht, bin aus dem Bett gesprungen und direkt in die Winterjacke rein um nach draußen zu rennen, bei den Nachbarn zu klopfen und zu fragen, wann wir denn nachmittags anfangen können zu böllern. Das Frühstück innerhalb weniger Minuten verdrückt, und sich dann krampfhaft mit irgendetwas beschäftigt, bis es endlich dunkel genug war, um die Kinderböller rauszuholen. Damit waren wir dann auch gut versorgt, bis das Raclette dann fertig war. Mit O-Saft und Cola wach bleiben und die Chart-Show gucken (die im Übrigen so ziemlich jedes Jahr die gleichen Lieder sind – voll lahm) und versuchen, bis 12 Uhr durchzuhalten.
Und dann das Feuerwerk. Ich habs geliebt. Natürlich war es mir meistens irgendwo zu laut. Aber die Farben. Die Lichter. Das alles erinnerte mich an die Zeiten, wenn ich im Dunkel meines Zimmer saß und mich voll und ganz auf Musik konzentrierte. Die Heuler mochte ich am liebsten. Bei denen mochte ich sogar das Geräusch. Und wie sich der Knall langsam aufbaute. Alles war gut. Irgendwann kam Sekt dazu, und aus einem Glas wurden mehrere.
Es war eine Art Ritual, bei dem meine Familie zusammenkam und friedlich war. Mit weniger Anspannung als an Weihnachten. Mit weniger Schuldzuweisungen als sonst.

Und dann kam mein Ex.
Seitdem heißt Silvester für mich Markus. Markus war ein Notarzt, den ich durch Zufall in meinem freiwilligen Monat auf der geschützten Akutstation kennengelernt habe. Markus war süß, er hatte dunkle Haare, weich und glänzend. Und stechend blaue Augen. Nichts besonderes, sie waren einfach blau, aber sie schienen durch die dunklen Haare und die buschigen Augenbrauen hervor. Er hatte markante Gesichstzüge und war eigentlich genau mein Typ.
Also haben wir ein wenig gequatscht, uns eine Zigarette geteilt, und uns bald durch eine Verkettung glücklicher „Zufälle“ in einem Nachtclub wiedergesehen. Dort endeten wir dann auf der Toilette. Für mich nichts Unübliches zu dem Zeitpunkt.
Und heilige Scheiße, war der Sex gut.
Also ab zu ihm nach Hause, und dort ging es weiter. Wir verbrachten die Nacht nackt zwischen Bettlaken, Decken und Kissen. Mal ineinander geschlungen, mal rauchend, mal sprachen wir über unsere Kinks und Beziehungen zu BDSM. Er teile einen meiner Kinks, obwohl dieser mich selbst immer noch verunsichert und ich niemals geglaubt hätte, jemanden dafür zu finden. Es hätte alles so schön sein können.
Wäre da nicht sein eigentlicher Charakter gewesen.
Sein Narzissmus schien recht schnell durch, und ich versuchte mich zu wappnen, war aber in einer so schlechten Phase meines Lebens, dass es nicht funktionierte. Hinzu kam, dass er von den Anzeichen von DIS wusste, und sie erkannte, ich selbst aber noch nichts von meiner Krankheit mitbekam. Er wickelte mich ein, bis er mich in wenigen Wochen so fest im Griff hatte, dass ich freiwillig mit ihm zu Freunden fuhr, obwohl ich dies ungern tat.
Und siehe da, seine Freunde kannten sich nur zu gut mit organisierter Gewalt aus.
Aber es war schon zu spät, und ich kam nicht mehr raus. Ich wurde von ihm in eine Ecke gedrängt, aus der nur er versprach, mich wieder herausholen zu können. Alles was ich dafür tun musste, war mich für ihn zu prostituieren. Aber nicht so schnell, nein, er habe die Kunden bereits zurecht gelegt.
Es folgen wirre Erinnerungen an Vergwaltigungen in Lagerhäusern, verschiedenen Wohnungen oder einfach bei ihm. Sie banden mich fest, folterten mich, bespuckten mich, tobten sich an mir aus, bis ich müde und vollkommen zerstört in den Armen von Markus landete. Und dieser strich mir durchs Haar, küsste mich, und versprach, auf mich aufzupassen. Also verbrachte ich die Nacht bei ihm – mal ging die Schikane dort weiter, mal tat er mir einfach weh, mal kümmerte er sich liebevoll um mich. Weiter und weiter und weiter. Ich war nicht allein dort. Ich erinnere mich an andere. Die Kunden wurden spezieller, und mit ihnen die Arten mich zu bestrafen.
An Silvester machte ich Schluss mit Markus.
Das beendete die „Verpflichtung“ aber nicht, auf die ich mich eingelassen hatte, und es dauerte noch bis Anfang Februar, bis ich endlich aus den Fängen organisierter Gewalt befreit wurde. Dann fing das Stalking an. Ich bin bis heute immernoch unendlich dankbar, dass er meine Adresse magischerweise nie rausfand, und danke auch Gott für den gegebenen Schutz.

Silvester an dem Jahr war einsam für mich. Ich erinnere mich nicht, was passiert ist. Ich erinnere mich nur an Markus. An Drohungen. An Verständnis. Dann wieder Gewalt. Und an Druck, immer mehr Druck, bis ich freiwillig zusagte, zwar nicht mehr in einer Beziehung mit ihm zu sein, meine „Schuld“ jedoch zu begleichen. Bis auch diese Programmierung durch Lasse endlich im Griff war, und ich mich zum ersten Mal weigern konnte.

Silvester dieses Jahr ist nicht einsam. Ich sitze neben Herr Hase, der Hund schläft mit auf dem Bett, ich habe bis eben noch mit einer Freundin gezockt.
Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Markus mir im Nacken sitzt.

Ich mache keine Jahresrückblicke, weil sie mir unsinnig erscheinen. Normalerweise schreibe ich auch nicht über Silvester. Aber dieses Jahr ist alles etwas anders. 2020 ist schon verdreht genug, da kann ich das hier genauso gut stehen lassen und als meine Vergangenheit annehmen.

Ich werd die Herzen aller Mädchen brechen / dann bin ich ein Star der in die Zeitung zieht

Moin.
Hab ich mir jetzt doch das Recht rausgenommen, hier reinzuschreiben. Hehe.
Ich bin nicht Lake, aber ich denke das ist ja jetzt nach dem ersten Satz bereits gegeben. Ich bin Lasse, der Klassenclown im System, leidenschaftlicher Soft-Dom und ein Himbo.

Ich bin seit elf Uhr wach und habe noch nicht mal zu Ende gefrühstückt. Ich hab keinen Hunger. Dabei sieht der Porridge echt lecker aus, und ist es auch. Herr Hase döst neben mir, wegen einem Migräneanfall. Ich hab auch immernoch Migränesymptome. Wir sind schon ein kaputter Haushalt. Naja, immerhin einer von uns hat ja jetzt bald seinen Schwerbehindertenausweis.
Hm, ich sollte meinen Kaffee mal trinken. Ohne Kaffee morgens bin ich immer mega schlecht drauf.

Ihr werdet euch jetzt sicherlich fragen „Lasse, was soll denn dieser Post jetzt eigentlich?“
Tja, das weiß ich auch nicht.

Damals, als wir noch bei unserer Mom gelebt haben, hatten wir eine recht strenge Routine, damit wir unsere Depression in Schach halten. Das brauchen wir heute teils nicht mehr wegen der Antidepressiva, teils schaffen wir sie nicht mehr, weil wir nicht wirklich motiviert genug sind. Soll sich jetzt ab heute ändern. You know. Autism Brain say „no routine bad“.
Das sah so aus, dass wir morgens zu einer bestimmten Uhrzeit aufgestanden sind, meistens zwischen 6 und 7, erstmal kalt geduscht haben, Gesicht waschen, Gesichtscreme, Zähneputzen wenn möglich (again, Autism Brain say „bad feeling, no likey“), Kaffee und den Rest des Tages bestreiten. Abends richtig duschen, finales Stretchen vom Körper, Zähneputzen wenn möglich, ab ins Bett und hoffen, dass die Schlafgötter heute mal nett sind und einen früh einschlafen lassen. Hat nicht funktioniert, weshalb ich mich den Schlafgöttern abgewendet und CBD zugewendet habe. Oder Valdoxan, wenns ganz schlimm ist.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Die Exekutive Dysfunktion krallt sich in uns, und das schon seit langer Zeit. Mag sein, dass es durch die Feiertage deutlicher geworden ist, aber das eigentliche Problem hier ist nicht das Trauma. Sondern die Exekutive Dysfunktion an sich. Und der muss ich dringend in den Arsch treten, ansonsten tut sich hier bald ein gewaltiger Abrgund in unserem Leben auf.
Irgendwie hilft es meistens, wirklich wirklich viele Listen zu schreiben. Nicht mal nur To Do Listen. Wir lieben Listen generell. Listen, was wir noch an Pandorya’s Videos gucken wollen, welche Serien wir im Moment am liebsten mögen, welche Spezialinteressen im Moment ganz oben stehen – das alles gibt uns auch an schlechten Tagen eine Idee, was wir irgendwie Gutes für uns tun können. Und das wiederum motiviert, zuvor eine noch so kleine Aufgabe auf der eigentlichen To Do Liste zu erledigen. Im Bad haben wir zwei Listen hängen mit Hilfen, was morgens und abends gemacht wird. Für uns Alltagsmenschen selbst, aber auch für verwirrte und ängstliche Anteile, damit diese sich an etwas orientieren können. An der Wohnungstür hängt eine Checkliste, falls unsere Zwänge mal wieder so schlimm sind, dass wir uns sonst nicht sicher sind und alles mehrfach nachkontrollieren müssen.

Im Grunde genommen ist mein Ziel für heute, anzufangen wieder aktiver zu werden, und mehr für eine Routine zu tun. Ich will wieder da hin kommen, wo wir damals waren. Depression im Griff behalten, weil ich gerne 2021 von 20 auf 10mg Escitalopram runter möchte. Dafür muss unser Körper ausgelastet sein, und geordnet. Meistens hab ich mich damals nachmittags mit Workouts oder Laufen gehen verausgabt, was immer ziemlich geholfen hat, auch mit dem Schlafen. Mal schauen, vielleicht kommen wir ja wirklich irgendwann wieder an dem Punkt an.
Erstmal Uni UND Arbeit auf die Reihe kriegen, neben den ganzen Arztterminen die 2021 kommen (lol ich kotze einfach jetzt schon mal, hätte uns nicht einfach, idk, ein Banker missbrauchen können oder so, warum musste es ein essentieller Job für jemand chronisch kranken sein lolol).

Finds btw lustig dass ich derjenige bin, der jetzt das beste Körpergefühl hat. Und warum? Weil ich ihn damals so ausgiebig kaputt gemacht habe und dann den Traumaschmerz auf mich genommen hab. Ups.
Gut. Was Logisches kommt heute bei mir offenbar auch nicht rum. Ich schwöre meine eigentlichen Blogposts ergeben mehr Sinn.

and i said „hey, it’s alright“ / we’ll make it

Meine Therapeutin fragt, wer denn gerade alles im Hintergrund mit dabei ist. Als Antwort folgt von mir zunächst mal ein „Äh.“
Irgendwann habe ich dann sortiert, genügend, um über das eigentliche Thema der Stunde zu sprechen. Auch wenn ich dissoziativ bin, und das seit etwa einer Woche mein Dauerzustand ist, will sie mich da vorsichtshalber mal nicht rausholen. Einfach, weil das online nicht funktioniert. Außerdem ist es ja auch irgendwo ein Schutzmechanismus meines Gehirns, damit ich nicht zu schnell in Traumagedanken falle und in Ruhe zur Arbeit gehen kann. Ich beschwere mich nicht. Würde ich mich jetzt aus dieser Dissoziation rauskämpfen, würden ziemlich krasse Flashbacks folgen. Und dafür haben weder ich, noch meine Therapeutin (sowieso nicht wegen Lockdown) die Kapazität.
Also sprechen wir über die vergangene Arbeitswoche (26 Stunden!), und wie der Plan über die Feiertage aussieht. Winterliche Feiertage bedeuten bei mir so gut wie immer Traumadaten. Einfach, weil die Beziehung zum Ex nunmal im Herbst begann und ich den ganzen Winter über programmiert und traumatisiert wurde. Ups.

Das wird mein erstes Weihnachten nur für mich und meinen Mann. Das erste Weihnachten ohne irgendeine Familie, zumindest keine Besuche. Schwiegermutter hat zu viel Angst vor dem Infektionsrisiko, und meine Mutter braucht dringend eine Pause und ein wenig Ruhe, nachdem meine Schwester am ersten Weihnachtstag endlich ausgezogen ist („endlich“, weil sich dieser Auszug nun fast über zwei Jahre zieht und ein Kleinkind involviert).
Ich war noch nie so weit weg von jeglichen Triggern an Weihnachten. Egal ob familiäre Trigger oder einfach Unterhaltungen, Städte oder Situationen die an meinen Ex erinnern. Herr Hase ist ein wenig traurig, dass wir Weihnachten so alleine feiern, freut sich aber dennoch drauf. Eigentlich feiern wir ja auch gar nicht. Er sowieso nicht, da er jüdisch ist, und ich hab – wenn auch christlich gläubig – nie sooo viel von Weihnachten gehalten. Als Kind, klar. Und als Teenager hab ich den Hype um die Ästhetik gehabt. Aber so richtig gefühlt hab ichs eigentlich nie, und noch dazu kann ich auch an jedem anderen Tag die Geburt Jesu feiern.
Also sieht dieses Jahr wie folgt aus: Videospiele, Bücher, Rumnerden und hoffentlich ein wenig nicht jugendfreien Spaß mit Herrn Hase – wenn nicht, auch ok.
Mehr nicht, weniger nicht. Einfach nur… Ich-Sein. Und das um DIE Feiertage herum, an denen ich mich immer irgendwie verstellen musste. An denen ich immer in eine Rolle geschlüpft bin. An denen ich vor einigen Jahren mit der sehr brutalen Natur organisierter Gewalt in Berührung gekommen bin.

Meine Therapeutin hält das für einen grandiosen Plan. Sie ist stolz auf mich, wie zuversichtlich ich auf die kommenden Tage blicke. Und wie viel ich mir zutraue, ohne fremde Hilfe.
Das alles fühlt sich zwar komisch an, aber ich kann es weitesgehend annehmen. Die Tatsache, dass meine Therapie um die Feiertage herum längst nicht mehr so intensiv ist, wie vor 3 Jahren, beruhigt mich irgendwo auch. Schließlich frisst es auch Ressourcen, wenn man Hilfe zulassen muss, und betreut wird – und dennoch immer wieder in Flashbacks knallt. Dieses Jahr fühlt es sich wirklich anders an. Freier. Entspannter.
Ich habe mich heute bei meiner Therapeutin verabschiedet, und obwohl wir noch gute anderthalb Wochen von diesem Jahr haben, haben wir uns bereits beide einen guten Rutsch gewünscht. Weil ich noch einen Termin dieses Jahr nicht mehr brauche. Das fühlt sich dermaßen fremd an, dass ich es immer wieder lesen muss, wenn ich es hier niederschreibe. Irgendwie traue ich mich nicht mal richtig, es aufzuschreiben. Dann wirkt es so, als würde ich damit angeben wollen – dabei ist es einfach nur ein riesen Fortschritt für mich, auf den ich fast ein wenig stolz bin.

Natürlich bin ich dennoch auf der Hut, was die kommenden Tage noch so mit sich bringen. Aber ich habe auch Hilfe von anderen Anteilen (auf die ich bald mehr eingehen werde, verzeiht, wenn ich über dieses Thema hier noch nicht so offen bin – da habe ich schlechte Erfahrungen mit gemacht). Und ich hab nach morgen auch erstmal Betriebsferien bis Mitte Januar. Und ja, damit gebe ich gerade an, hähä.
Eingekauft ist ebenfalls alles, der letzte Rest wurde heute mit meiner Betreuerin eingekauft. Morgen holt Herr Hase noch schnell Hundefutter, dann sind wir versorgt, und müssen nirgends mehr hin.
Ich bin erleichtert. Fast schon glücklich.

Passt auf euch auf über die Weihnachtstage.

2 Möhren, das geht nicht / die gibt es nur im Bund oder im Kilo

Das Leben ist unfair, alles ist schlecht und ich habe Migräne. Sie sieht’s aus.

Heute wurde von 10 bis 15:30 durchgerödelt und danach gebabysittet, morgen hab ich innerhalb vier Stunden ein Seminar zu Mediävistik, eine Therapie-Session und einen Betreuertermin und am Mittwoch darf ich dann auch nochmal ab 10 Uhr richtig ranklotzen, dann ist endlich Schluss für dieses Jahr.
Und glaubt mir wenn ich euch sage, dass dann definitiv Schluss ist. Schicht im Schacht. Nix mehr. Ich bin nicht da. Bin ausgeflogen über Weihnachten, in meine eigene kleine Welt voll mit Hyperfixierungen und Spezialinteressen wie Quallen, Kaffee und Videospielen. Jaja. Ich werde am Mittwoch nach der Arbeit die Wohnungstür schließen, mir vorstellen ich sei in einem Baumhaus ohne Leiter und käme nicht mehr herunter. Logischerweise kann ich dann ja die Wohnung nicht verlassen (nun gut, außer um mit dem Hund zu gehen) und muss mich anderweitig beschäftigen. Indem ich die ganzen Bücher endlich mal lese zum Beispiel, und endlich endlich mal Zelda durchspiele und Super Mario Bros. 2 und ach ich hab noch so viele Demos auf Steam installiert die ich alle mal antesten wollte. Und meine schönen Quallen-Dokus und Internetseiten warten auf mich, das Spezialinteressen-Buch sehnt sich danach, gefüllt zu werden. Ich will meinen Nagellack auch unbedingt mal wieder sortieren.
Man sieht also, auch als introvertierter, zurückgezogener Autist gibt es viel zu tun.

In letzter Zeit tauchen immer mehr Trigger auf, oder besser; ich nehme sie bewusst wahr. Ob das daran liegt, dass ich durch die Tagesklinik näher am Trauma bin, oder dieses Jahr einfach stabiler und sie deswegen nicht so stark dissoziiere, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass mich Lederhandschuhe, verzerrte Stimmen und laute Drogenabhängige im Bus mittlerweile sehr viel stärker triggern als sonst. Diese drei nur mal als Beispiel.
Ich habe das Gefühl, als hat man mir einen Schleier hinfortgerissen, der sonst immer zwischen mir und den ganzen traumatischen Geschehnissen hing. Plötzlich erinnere ich mich daran, was genau damals bei dem Arzt in der Klinik passiert ist. Ich erlange immer mehr Erinnerungen an die Zeit mit meinem Ex zurück, und es bilden sich Vermutungen, was sonst noch passiert sein könnte. Ich werde von Erinnerung zu Erinnerung geschleudert, und ich habe keine Wahl. Ich kann nicht aussteigen aus diesem Traumabus. Es wirft Einiges durcheinander, und ich wünschte ich könnte gerade über die Feiertage auf einen Pausenknopf drücken.
Aber ich weiß, dass es jetzt erst richtig los geht.

Letzten Endes hilft all die Vorbereitung nicht, die ich getroffen habe. Wenn mein Hirn sich entscheidet, dass es Zeit ist, sich zu erinnern, dann ist es Zeit. Und wenn es schwierige Feiertage als Katalysator nutzt, ohne mich davor zu schützen, dann wird es schon einen Grund geben.
2020 war das Jahr der Selbsterkenntnis für mich, dennoch hoffe ich, dass es sanft zu mir ist, wenn es sich ums Trauma dreht. Ich hoffe nur, dass ich nach den Feiertagen endlich ein wenig Ordnung da rein bringen, und hier etwas strukturierter darüber schreiben kann.

i don’t like mondays / (tell me why)

Montag. Natürlich ist es Montag.
Ich finde meinen Geldbeutel nicht, in dem mein Ticket und mein Ausweis sind. Ich bleibe im Flur stehen, verstecke mich im Pulli und weine. Ohne Ausweis und Ticket fühle ich mich schrecklich unsicher, auch wenn ich weiß, dass ich auf der Strecke nie kontrolliert werde. Ich suche so lange, bis ich meinen ersten und gleich auch den zweiten Bus verpasse. Ergo; ich komme auch noch zu spät zur Arbeit. Auf dem Weg zum Bus weine ich ein bisschen mehr. Dann kriege ich mich irgendwie ein und hoffe, das Leben wirft mir heute nicht noch weitere Curveballs zu. Durchatmen.

Auf der Arbeit gibt es nicht mehr als Rückenschmerzen, Unterzuckerung und Stress. Ich packe Fotos zusammen und bin irgendwann im Flow. Als ich gehe, bin ich erleichtert. Normal. Es ist Weihnachten. Im Bus endlich wieder durchatmen.

Meine Betreuerin sagt den Termin heute ab. Wir sehen uns also erst nächste Woche Dienstag wieder. Zuhause rolle ich mich, nun endgültig besiegt von der Brutalität des Tages, auf der Couch zusammen und fühle mich leer. Ich scrolle durch Instagram, finde aber nichts, das die Leere in mir füllen könnte, ohne mich zugleich zum Weinen zu bringen. Einkaufen werde ich irgendwie mit Herrn Hase regeln müssen. Mittwoch bis Freitag bin ich allerdings von früh bis spät auf der Arbeit, und am Dienstag habe ich ein Seminar, eine Therapiestunde und einen Termin beim neuen Zahnarzt. Es hilft nichts. Ich werde das Einkaufen noch irgendwie dort hinein quetschen müssen. Wir haben nicht mehr genügend Essen um bis zur nächsten Woche auszukommen.

Resigniert gebe ich den Tag auf, gehe mit dem Hund, schmeiße mich ins Bett und melde mich auf Discord, damit das Zocken endlich losgehen kann. Wenigstens das, wenigstens ein paar Runden Zombies und Vergessen, bitte.

Diese Woche, vielleicht auch noch bis in die nächste Woche hinein, wird mir in meinem job alles abverlangt, was geht. Auch wenn ich nur Aushilfskraft bin, wurde ich bereits gefragt, doch bitte die ganze Woche zu kommen. Blöd nur, dass Dienstag nun wirklich nicht geht. Zwischen Weihnachten und Silverster werde ich wahrscheinlich einfach sehr viel Schlaf nachholen. Ich warte sehnsüchtig auf das kleine „Geschenk“ das mir mein Nachbar in den Briefkasten legen wollte. Könnte ich fürs Wochenende ganz gut gebrauchen. Vielleicht teile ichs auch einfach mit ihm. Mal schauen, wie meine Laune so ist, und ob ich nach einer vollen Arbeitswoche überhaupt noch Menschen am Wochenende ertrage.

Dies hier ist ein Mimimi-Post. Und die sind im Übrigen auch immer sehr erlaubt.